Spiegel Online. Diskriminierung bei Bewerbungen.

Nach Diskriminierungs-Hinweis
Personalberater muss an Firma zahlen

Wir wollen keine Frau – ein klarer Fall von Diskriminierung. Von diesem Absagegrund erzählte ein Personalberater der Bewerberin, sie erhielt 8500 Euro von der Firma. Das verblüffende Ende vor Gericht: Jetzt muss der Headhunter Schadensersatz zahlen.

Aus Spiegel Online am 10.05.2014

Dieser Fall hatte einen kuriosen Anfang und nahm einen bemerkenswerten Ausgang. 2012 beauftragte ein Maschinenbauunternehmen einen Personalberater damit, Kandidaten für den Job eines technischen Verkäufers zu suchen. Eine Interessentin hielt der Berater für besonders geeignet und schickte ihre Unterlagen an die Firma. Dann allerdings sandte das Unternehmen ein deutliches Signal: Wir wollen keine Frau für diese Position, teilte der Personalleiter dem Berater mit.

Eine derartige Diskriminierung wegen des Geschlechts ist verboten. Seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, wie geschaffen für solche Fälle: Das AGG untersagt nicht nur Benachteiligung etwa aufgrund der Herkunft oder Religion, des Alters oder einer Behinderung; es verpflichtet Arbeitgeber bei Verstößen auch zu Schadensersatz. Unternehmen müssen sich jetzt vor Diskriminierung hüten, schon bei Annoncen, dann bei Stellenbesetzungen – und doch kennen sie viele Wege, die Regelungen zu umgehen.

Der Personalberater reagierte empört. Nachdem er das Honorar von der Firma erhalten hatte, sprach er mit seiner Favoritin für die offene Stelle über die Gründe der Absage. Das Verhalten des Unternehmens bezeichnete er als skandalös und diskriminierend. Zudem riet er der abgelehnten Bewerberin auch, Schadensersatz zu fordern und sich an einen Rechtsanwalt zu wenden.

Das tat sie prompt, ging gegen das Unternehmen vors Arbeitsgericht und hatte Erfolg. Das Verfahren endete mit einem Vergleich über 8500 Euro Entschädigung. Dann allerdings verklagte die Maschinenbaufirma den Headhunter auf Schadensersatz: Diese 8500 Euro plus Folgekosten sollte er ans Unternehmen überweisen, insgesamt 11.500 Euro. Begründung: Der Berater habe seine vertragliche Verschwiegenheitsverpflichtung verletzt, die Information über die Ablehnung der Frau sei ihm vertraulich mitgeteilt worden.

Bewerberin zur Klage „regelrecht angestachelt“

Muss ein Personalberater tatsächlich Schadensersatz zahlen, weil er auf einen Gesetzesverstoß hingewiesen hat? Immerhin entstanden die Kosten durch die rechtswidrige Ablehnung der Bewerberin. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschied jetzt trotzdem: Dass der Berater die Frau informierte, wird für ihn teuer.

In erster Instanz hatte das Frankfurter Landgericht die Klage des Unternehmens noch abgewiesen. Das Oberlandesgericht änderte das Urteil jetzt aber: Vertraglich habe der Personalberater sich zum Stillschweigen über die Stellenbesetzung verpflichtet und zudem vorher auch „auf einem Flyer mit seiner strikten Diskretion geworben“, so die Richter. Er könne sich nicht auf das Interesse der Allgemeinheit berufen und habe sich unverhältnismäßig verhalten, indem er die abgelehnte Bewerberin zu ihrer Klage „regelrecht angestachelt“ habe.

Der Berater muss allerdings nur ein Drittel des Schadens tragen. Die Richter rechneten der Maschinenbaufirma ein überwiegendes Mitverschulden zu – weil die wesentliche Ursache war, dass sie gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen habe. Das Urteil ist nicht anfechtbar. Aktenzeichen 16 U 175/13

Quelle: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/frauen-diskriminierung-bei-bewerbung-personalberater-muss-zahlen-a-968534.html